Postoperative Wundinfektionen
Im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem ANQ erfasst und überwacht Swissnoso, das Nationale Zentrum für Infektionsprävention, seit 2009 die Entwicklung postoperativer Wundinfektionen in den Schweizer Akutspitälern. Dabei werden ausschliesslich stationäre Eingriffe überwacht.
Aktuelle Messperiode
1. Januar bis 31. Dezember 2026
Publikationspläne Ergebnismessungen
Programm SSI Surveillance von Swissnoso
Erfasst werden Wundinfektionen – englisch: Surgical Site Infections (SSIs) –, die innert einer definierten Frist nach der Operation auftreten, und zwar unabhängig davon, ob im Spital oder nach Spitalentlassung. Die Infektionen können sich an der Stelle des Hautschnitts respektive des darunterliegenden Gewebes, inklusive Faszien und Muskelschichten, zeigen. Oder sie betreffen Organe oder Hohlräume, die während der Operation geöffnet oder manipuliert wurden.
Überwachte chirurgische Eingriffe bei Erwachsenen ab 1. Oktober 2021*
- Appendektomie (Blinddarmentfernung)
- Cholezystektomie (Gallenblasenentfernung)
- Colonchirurgie (Dickdarmchirurgie)
- Elektive (zeitlich planbare) Hüftgelenksprothese
- Elektive (zeitlich planbare) Kniegelenksprothese
- Gefässchirurgische Eingriffe an Arterien der unteren Extremitäten (VASCAMI)
- Herzchirurgie
- Aorto-koronarer Bypass CAB
- Klappenersatz
- Hysterektomie (Gebärmutterentfernung)
- Laminektomie mit und ohne Implantat (Wirbelsäulenchirurgie)
- Magenbypassoperation
- Rektumoperation (Enddarmoperation)
- Sectio caesarea (Kaiserschnitt)
*Hernien werden seit dem 1. Oktober 2021 nicht mehr überwacht. Hernien-Eingriffe sind auf der AvS-Liste des BAG aufgeführt, weshalb einseitige Hernien in den meisten Fällen ambulant durchgeführt werden.
Jeder Spital- und Klinikstandort ist verpflichtet, bei Erwachsenen mindestens drei der oben aufgeführten Operationsarten simultan zu überwachen. Die Überwachung von colonchirurgischen Eingriffen (Dickdarmchirurgie) ist für Spitäler mit entsprechendem Angebot verbindlich. Die anderen Eingriffsarten können frei gewählt werden. Bei den gewählten Eingriffsarten ist eine Vollerhebung obligatorisch.
Zusätzliche Überwachung bei Kindern und Jugendlichen
Bei Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahre ist zudem die Erfassung von Appendektomien (Blinddarmentfernungen) obligatorisch.
Weiterentwicklungen
Infektionsüberwachung bei Hüft- und Knieimplantationen
Ab Januar 2027 erfassen Spitäler und Kliniken chirurgische Wundinfektionen (SSI) bei Hüft- und Knieprothesen nur noch im Implantatregister SIRIS. Die Überwachung betrifft ausschliesslich Reoperationen oder Revisionen nach einer primären Hüft- oder Knieprothese, einschliesslich Revisionen infolge einer Fraktur. Die doppelte Datenerfassung im Rahmen der bisherigen SSI-Überwachung von Swissnoso entfällt. Mit dieser neuen Organisation wird der administrative Aufwand für Spitäler und Kliniken deutlich reduziert, während eine qualitativ hochwertige nationale Überwachung sichergestellt bleibt.
Zeitplan der Umsetzung
- Juni – August 2026: Testphase
- September/Oktober 2026: Bereitstellung der Dokumentation sowie der Informationen für die Spitäler
- September/Oktober 2026: Online-Informationsveranstaltungen zur Umsetzung
- Herbst/Winter 2026: Vorbereitung der Umsetzung durch die Spitäler
- 1. Januar 2027: Inkrafttreten des neuen Datenerhebungsverfahrens
Informationsveranstaltungen zur Umsetzung
An drei Online-Veranstaltungen erhalten die Spitäler und Kliniken Informationen zum neuen Datenerhebungsprozess sowie zu den Modalitäten der Umsetzung.
- Mittwoch, 30. September 2026, 10.00–11.30 Uhr
- Donnerstag, 15. Oktober 2026, 10.00–11.30 Uhr
- Dienstag, 27. Oktober 2026, 10.00–11.30 Uhr
Weitere Informationen und Anmeldung
Freiwillige Erfassung von zusätzlichen Variablen
Im Rahmen eines Pilotprojekts können Spitäler und Kliniken vom 1. Januar 2026 bis zum 31. Dezember 2027 zusätzliche Variablen für die gewählten Eingriffe erfassen. Diese betreffen folgende Präventionsmassnahmen:
- Blutzuckerkontrolle in der Herzchirurgie
- Dekontamination des Verdauungstrakts vor Darmoperationen (nicht-resorbierbare Antibiotika mit oder ohne Abführmittel)
- Dekolonisation von Staphylococcus aureus vor Gelenkersatz- sowie Herz- und Wirbelsäulenoperationen
Anhand des Pilotprojekts wird unter anderem geprüft, ob eine obligatorische Erfassung ab 2029 angestrebt werden soll.
Verzicht auf die Erfassung von oberflächlichen Infektionen
Seit 1. Januar 2026 sind bei allen Eingriffen nur noch die tiefen Infektionen und die Organ-/Hohlrauminfektionen zu erfassen. Dies war bisher nur bei den Hüft- und Knieimplantationen der Fall. Auf die Erhebung der oberflächlichen Infektionen wird verzichtet, weil sich diese weniger stark auf die Morbidität sowie die Kosten auswirken und gleichzeitig mit einem erheblichen Arbeitsaufwand verbunden sind. Mit dieser Entlastungsmassnahme entsprechen Swissnoso und der ANQ auch einem Wunsch der Spitäler und Kliniken
Handbuch und Formulare
Auf der Webseite von Swissnoso können Spitäler und Kliniken alle für die SSI Surveillance relevanten Unterlagen herunterladen. Downloads Swissnoso
Finanzierung der ANQ-Messungen
Mit dem Jahresbeitrag der Spitäler und Kliniken finanziert der ANQ alle Leistungen in Zusammenhang mit den Messungen (ohne Implantatregister). Dazu zählen Messorganisation, Datenauswertung sowie Berichterstattung und Publikation der Messergebnisse. Weitere Infos
