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Trend zu sinkenden Wundinfektionsraten nach Operationen

29.06.16

Bei Wundinfektionen nach chirurgischen Eingriffen zeichnet sich eine positive Entwicklung ab: Seit 2011 gingen die globalen Infektionsraten nach Blinddarmentfernung, Leistenbruch­eingriff und Magenbypassoperation statistisch signifikant zurück. In der Messperiode 2013/14, deren Resultate aktuell vorliegen, sanken die globalen Raten nach Blinddarm­entfernung und Magenbypassoperation. Swissnoso wertete im Auftrag des ANQ die Daten von 53'299 Patientinnen und Patienten aus 153 Spitälern und Kliniken aus.

In der vierten Messperiode 2013/14 wurden elf chirurgische Eingriffe mit jeweils drei Infektions­tiefen überwacht. Nach Blinddarmentfernung und Magenbypass­operation sanken die globalen Infektionsraten deutlich. Weitere drei Eingriffe verzeichneten erheblich tiefere Raten bei einzelnen Infektionstiefen: Leistenbruchoperation (oberflächliche Infektion), Dickdarmchirurgie (tiefe und Organ/Hohlraum-Infektionen) und Knietotalprothesen-Implantation (tiefe Infektion).

Eine signifikant höhere Rate wurde bei der oberflächlichen Infektion in der Dickdarmchirurgie festgestellt. Die Infektionsraten nach Gallenblasenentfernung, Enddarmoperation, Kaiserschnitt, Herzchirurgie und Hüfttotalprothesen-Implantation variierten gegenüber der Vorperiode nur leicht und blieben damit aus statistischer Sicht unverändert.

Erste Resultate zu Gebärmutterentfernung

Zum ersten Mal liegen Infektionsraten nach Gebärmutterentfernung vor. Dieser Eingriff wurde im Herbst 2013 in das Überwachungsprogramm aufgenommen. Weil die Erfassung von Fällen nach Gebärmutterentfernung, Enddarm- und Magenbypassoperationen für die Spitäler und Kliniken in der Berichtsperiode freiwillig war, werden auch deren Resultate lediglich als Gesamtrate publiziert.

Die Infektionsraten der restlichen acht Operationen sind zum dritten Mal für alle Interessierten pro Institution einsehbar. Darunter befinden sich auch jene nach Blinddarmentfernung bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren, die erstmals separat ausgewiesen werden.

Positive Entwicklung

Im Mehrperiodenvergleich ist eine Tendenz zu tieferen Infektionsraten bei Appendektomie, Hernienoperation und Magenbypassoperation auszumachen. Mit Interventionsmodulen unter­stützt Swissnoso die Spitäler und Kliniken dabei, präventive Massnahmen gezielter umzusetzen, um damit die postoperativen Wundinfek­tionen weiter zu reduzieren. Denn hier ist eine Verbesserung angezeigt: Bis zur Hälfte aller Patientinnen und Patienten erhält die Antibiotika­prophylaxe nicht rechtzeitig vor der Operation.

Internationaler Vergleich

Die Schweizer Infektionsraten können nur bedingt mit denjenigen aus anderen Überwachungs­systemen verglichen werden. Massgebliche Unterschiede bestehen bei Methode und Qualität der Erfassung sowie bei der Überwachung nach Spitalaustritt. Weil die Schweiz meist gründlicher erfasst und länger überwacht, ergeben sich teilweise höhere Raten als in anderen Ländern.

Bericht mit den Raten (Grafiken) pro Spital:

www.anq.ch/messergebnisse/ergebnisse-akutsomatik/

Auskünfte erteilt:

Regula Heller, ANQ-Leitung Akutsomatik
Tel. 031 511 38 41, regula.helleranq.DELETEplease.ch

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ANQ fördert Qualität in Spitälern und Kliniken

Der Nationale Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) koordiniert und realisiert Qualitätsmessungen in der Akutsomatik, der Rehabilitation und der Psychiatrie. Die Resultate ermöglichen eine transparente und nationale Vergleichbarkeit. Aufgrund dieser Erkenntnisse können Spitäler und Kliniken gezielt Massnahmen zur Verbesserung ihrer Qualität entwickeln. ANQ-Mitglieder sind der Spitalverband H+, santésuisse, die Eidgenössischen Sozialversicherer, die Kantone und die Schweizerische Gesundheitsdirektorenkonferenz. Der Verein arbeitet nicht gewinnorientiert.

Swissnoso klärt über Infektionsraten auf

Der Verein Swissnoso befasst sich mit der Reduktion von Healthcare-assoziierten Infektionen (sogenannten Spitalinfektionen) und multiresistenten Keimen. Er hat mehrere praxistaugliche Anwendungen im Bereich der Überwachung und Prävention entwickelt. Diese werden Spitälern und Pflegeeinrichtungen zum Selbstkostenpreis zur Verfügung gestellt. In Kooperation mit dem ANQ erfasst und überwacht er seit 2009 die Entwicklung der postoperativen Wundinfektionen. Swissnoso besteht aus einer Gruppe von Infektiologinnen und Infektiologen in Kaderposition in Universitätsspitälern, kantonalen Spitalverbänden und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Mehr Informationen: www.swissnoso.ch