Infektionsraten an Schweizer Spitälern
14.12. 2010
Erste Erkenntnisse aus nationaler Qualitätserhebung.
Der Nationale Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken, ANQ, legt erstmals Auswertungen zu national einheitlich erfassten Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI) nach bestimmten operativen Eingriffen vor. Das wurde möglich durch die Zusammenarbeit mit SwissNOSO. Von Mitte 2009 bis Mitte 2010 wurden über 24'000 Eingriffe erfasst.
SwissNOSO hat die Daten aus dem Jahre 2009 für jedes Spital und vergleichend ausgewertet, sowie die Schweizer Daten mit denjenigen aus Deutschland verglichen.
Infektionen in Spitälern treten immer wieder auf. Auf Initiative des ANQ (Nationaler Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken) ist erstmals seit dem 1. Juni 2009 gemeinsam mit SwissNOSO (Spitalhygieniker aus den Schweizer Universitätsspitälern sowie aus dem Tessin und dem Wallis) national in 75 Spitälern (inkl. aller Universitätsspitäler) das Auftreten von Infektionen nach bestimmten Operationen entlang einheitlicher Standards erhoben und ausgewertet worden. Dies in Anlehnung an ein Projekt, welches vor 12 Jahren in der französischen Schweiz und dann im Tessin entwickelt wurde. Insgesamt liegen nun Daten zu Infektionen nach ca. 24'000 Gallenblasen- und Blinddarmentfernungen, Hernienoperationen, Kaiserschnitten, Operationen am Dickdarm vor. Die Auswertungen nach herzchirurgischen sowie orthopädischen Eingriffen (Hüft- und Knie-Totalendoprothesen-Implantationen) konnten noch nicht vorgenommen werden, da die Erfassung einer allfälligen Infektion 12 Monate nach dem Eingriff erfolgen wird. Die Ergebnisse im Vergleich zu den Resultaten in Deutschland, die im Rahmen des sogenannten OP-KISS-Programms erhoben wurden, sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt. Dazu Prof. Dr. Christian Ruef, Leiter Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich und Präsident von SwissNOSO:
«Im Unterschied zum Ausland wurden die Infektionen in der Schweiz nicht nur bei Spitalaustritt gemessen, sondern auch 30 Tage nach Austritt. Dies ermöglicht genauere Abklärungen der Wundinfektionen, weil heute in der Regel die Aufenthaltsdauer in den Spitälern so kurz ist, dass sich in einer Vielzahl von Fällen die Infektion erst nach dem Austritt manifestiert. Je nach Eingriff betragen die nachträglich festgestellten Infektionen ein Mehrfaches der Werte bei Austritt. Dieser Sachverhalt unterstreicht die Bedeutung der Erfassung der Infektionsrate nach dem Spitalaustritt.»
Infektionsraten an Schweizer Spitälern
| Eingriff | Anzahl Eingriffe (1) | Infektionsrate CH (%) bei Spitalaustritt | Infektionsrate D (3) (%) bei Spitalaustritt |
| Blinddarmoperation | 535 | 1.5 | 1.3 |
| Gallenblasenoperation | 1292 | 1.2 | 0.9 |
| Dickdarmoperation | 2454 | 10.4 | 8.0 |
| Leistenbruchoperation | 2454 | 0.1 | 0.2 |
| Kaiserschnitt | 5561 | 0.3 | 0.4 |
| Zwischentotal | 12296 | ||
| Herzchirurgie (2) | 1943 | - | |
| Hüftprothese (2) | 7111 | - | |
| Knieprothese (2) | 2913 | - | |
| Total | 24263 | - |
Legende
(1) Eingriffe zwischen 1.6.2009 und 31.5.2010
(2) Eingriffe mit implantiertem Fremdmaterial erfordern 12 Monate postoperativen Follow-up
(3) OP-KISS des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen, Deutschland (Daten 2005 - 2009)
Die Messung der Infektionsrate wird in diesem und den folgenden Jahren fortgesetzt, so dass im Herbst 2011 wiederum eine vergleichende Auswertung erwartet werden kann. Weitere Analysen – insbesondere die Analyse der Daten aus der Herzchirurgie und der orthopädischen Chirurgie – sind im Jahr 2011 vorgesehen. Zudem soll der Kreis der Spitäler im Jahre 2011 weiter ausgedehnt werden.
Auskünfte erteilt:
Professor Dr. med. Christian Ruef
Präsident SwissNOSO
Tel. 044 255 57 31
Thomas Straubhaar, Präsident ANQ
Tel. 031 309 95 70 oder 079 311 18 19
thomas.straubhaar(at)anq.ch
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ANQ fördert Qualität in Spitälern und Kliniken
Der Nationale Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) koordiniert und realisiert Qualitätsmessungen in der Akutsomatik, der Rehabilitation und der Psychiatrie. Die Resultate ermöglichen eine transparente und nationale Vergleichbarkeit. Aufgrund dieser Erkenntnisse können Spitäler und Kliniken gezielt Massnahmen zur Verbesserung ihrer Qualität entwickeln. ANQ-Mitglieder sind der Spitalverband H+, santésuisse, die Kantone und die Eidgenössischen Sozialversicherer. Der Verein arbeitet nicht gewinnorientiert.
